Gleich beim Betreten des Ende 2022 eröffneten „Haus der Digitalisierung“ in Tulln/Donau wird der Besucher vom legendären Kopf halb Arnold Schwarzenegger, halb Terminator mit rotem Auge begrüßt. Ein untrügliches Zeichen, dass hier die Zukunft beginnt.
Wenige Meter weiter, im rund zwanzig Meter hohem Showroom breitet sich das ganze Universum der Digitalisierung vor den Besuchern aus. Mannshohe, 311 Quadratmeter umspannende LED-Screens zeigen über den Köpfen der Interessierten verschiedenste digitale Animationen. Zu ebener Erde finden sich digitale Trendprodukte – vom ersten Apple iPhone bis zum AI-gesteuerten Arm. Auf einer überdimensionalen Tischplatte lassen sich mittels künstlicher Bergkristalle Showcases wie etwa der digitalisierte Fabrikationsprozess des Lindt-Schokohasen betrachten. Die digitale Welt wird über eine mehrschichtige Medienfassade, die auf unterschiedliche Weise bespielt und auch nachgerüstet werden kann, auch nach außen in die Umgebung gespiegelt.
Auf insgesamt 4.200 Quadratmetern entstand in Kooperation zwischen der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur ecoplus digital und der Fachhochschul-Immobiliengesellschaft Wiener Neustadt um 33,5 Millionen Euro Investitionssumme am Campus Tulln das digitale Leuchtturmprojekt. Ziel ist es, zum einen heimische Klein- und Mittelunternehmen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft mit Serviceleistungen aus dem Netzwerk zu unterstützen, Best-Practice-Beispiele niederösterreichischer Betriebe vor den digitalen Vorhang zu holen und mittels einer jährlich wechselnden Ausstellung das Thema Digitalisierung erlebbar zu machen. Ing. Martin Steuer, Prokurist und technischer Betriebsleiter ecoplus digital: „Die erste derartige Ausstellung hier im Haus der Digitalisierung startete am 17. Jänner mit dem Thema „Mensch + Maschine“. Das Projekt konnte trotz Pandemie, des Ukraine-Konflikts und den damit verbundenen Lieferengpässen, hohen Vorlaufzeiten und Preissteigerungen erfolgreich im Bauzeitplan und Kostenrahmen umgesetzt werden.“ Der Startschuss für das Projekt fiel mit dem Spatenstich am 10. Mai 2021. Für die Generalplanung zeichnet die ARGE GP KRONAUS / MITTERER / GALLISTER / VASKO +PARTNER verantwortlich. Deren Entwurf ergänzt die bereits vor Ort bestehenden FHGebäude und verfolgt den Anspruch, die Kosten für Wartung und Instandhaltung (Lebenszykluskosten) zu minimieren. Mit einer integralen Planung (Architektur und Konsulenten für Statik, Gebäudetechnik und Bauphysik) ist ein energieeffizienter Betrieb des Gebäudes gewährleistet. Geheizt wird mit Wärmepumpe und Fernwärme, die Abwärme aus dem Ausstellungsbereich wird als Wärmequelle genützt.
Im Jänner 2022 trat schließlich Willich TB (ausführendes Unternehmen im Innenausbau und Trockenbau) auf den Plan. Es galt, den Skelettbau mit punktgestützten Stahlbetonflachdecken und die Geschossdecken in der Fassadenebene, die mittels Zugstützen in Stahlbeton Verbundbauweise bis in die Dachebene hochgehängt waren, zu verkleiden. Siegfried Ammesberger, Projektleiter von Willich TB: „Die größte Herausforderung war es, im Showroom mit Hebebühnen zu arbeiten! In luftiger Höhe von rund 19 Meter wurden 20 Stk. Absorber, 20 Stk. Diffusoren und rund 820 Quadratmeter HERADESIGN®-Wände montiert, die den Schall absorbieren. Zur Herstellung der Akustikwände wurden HERADESIGN®-Holzwolle-Akustikplatten verarbeitet, welche bereits im Werk schwarz eingefärbt worden waren. In den drei Etagen des Gebäudes waren zu Spitzenzeiten bis zu 25 Mitarbeiter, während des gesamten Ausbaus durchschnittlich zwölf Mitarbeiter beschäftigt.“ Insgesamt wurden bis zum Ende der Bauzeit im Dezember 2022 rund 1.400 Quadratmeter Knauf Cleaneo Akustikdecken sowie 1.860 Quadratmeter Knauf Gipskartonwände montiert. „Neben der Höhe waren die zahlreichen Flächen außergewöhnlich“, so Ammesberger weiter, „die Kubatur war eine Herausforderung. Das glich oft einem ,Basteln für Fortgeschrittene‘ mit den kleinen Flächen und den zahlreichen luftführenden Decken.“ Eine Besonderheit sind die 340 Quadratmeter luftführenden Knauf Decken, innerhalb derer ein Luftaustausch von rund 17.000 Kubikmeter pro Stunde erfolgt. Dafür griff Ammesberger in seine Trickkiste: „Die Plattenstöße wurden zusätzlich mit dehnbaren Spezialbändern verklebt, um einer Rissbildung vorzubeugen und die Luftführung dauerhaft zu gewährleisten.“
Das Erdgeschoss des Showrooms öffnet sich zum Hof, um ein Zusammenspiel der beiden Bereiche zu ermöglichen. So kann der Showroom bzw. der Saal bei großen Veranstaltungen nach außen erweitert werden. Vom Showroom aus bekommt man durch einen verglasten Zwischenraum auch Einblick in die weiteren Stockwerke, wo sich im 2. Stock Hörsäle der Fachhochschule Wiener Neustadt und darüber Räumlichkeiten für die Verwaltung befinden.
Das „Haus der Digitalisierung“ bietet ein sehr reales Erlebnis. Beim Verlassen des Gebäudes noch ein letzter Blick auf Arnie. „Hasta la vista, baby! I’ll be back!“ Spätestens 2024 bei der nächsten Ausstellung.
Projekt | Haus der Digitalisierung, 3430 Tulln |
Auftraggeber | FHI Wr. Neustadt/ecoplus digital, ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH, 3100 St. Pölten, Projektleitung – Ing. Martin Steuer und Ing. Christian Seidl (FHI) |
Generalplanerteam | ARGE GP KRONAUS / MITTERER / GALLISTER / VASKO + PARTNER |
Knauf Fachberatung | Christoph Peham, Mobil: +43 664 544 60 29 |
Fotograf | Caio Kauffmann |
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit |