Etwa 1700 Exponate der Geschichte Wiens finden unter dem Dach aus 1000 Tonnen Stahl und 6000 Kubikmeter Sichtbeton ihren neuen Platz. In der einzigartigen Verschmelzung von Altbestand und Neubau leistet Knauf einen wesentlichen Beitrag.
Gut Ding braucht Weile – besonders, wenn es sich um ein Geschichtsmuseum handelt. Das erstmals im Jahr 1959 nach Plänen von Oswald Haerdtl eröffnete Museum der Stadt Wien am Karlsplatz hat sich nach seiner jetzigen Umgestaltung zu einem modernen Prachtbau gemausert. Und zehn Jahre nach dem beschlossenen Um- und Ausbau soll es bis Ende dieses Jahres wieder für die Besucher geöffnet werden.
Dazwischen liegt eine fast abenteuerliche Geschichte. Denn das Haus direkt neben der Karlskirche ist denkmalgeschützt. Ein Abriss war undenkbar, also kam 2015 nur ein Umbau infrage. Allerdings einer, ohne die alte Bausubstanz – mit den drei großen Bereichen Eingangsfoyer, Stiegenhaus und Terrasse – zu verunstalten. Auf diese Art entstanden in Wahrheit zwei Gebäude, die ineinander verschränkt wurden. Die Pläne dafür stammen von den Architekten Klaudia Ruck, Ferdinand Certov und Roland Winkler, die bei der Ausschreibung gegen 274 Büros aus 26 Ländern den Zuschlag erhielten. Beim Wien Museum spielen sie gekonnt mit Licht und Schatten, hellen Materialien und teilweise detailgetreuer Restauration des Altbestandes. Der offizielle Spatenstich erfolgte im Sommer 2020. Bereits im Herbst 2019 wurde das Gebäude bis auf das Stahlbetonskelett „abgemagert“, die Exponate in das Depot Himberg ausgelagert und Schritt für Schritt mit dem Neubau wieder „aufgefüttert“. Von Alt wurde die Haerdtl Fassade (mit hellem kroatischem Dolit-Kalkstein und dunklem Wachauer Marmor) außen, getreu der Ursprünglichen neu hergestellt. Zwischen Alt- und Neubau im Atrium – wegen des Denkmalschutzes und der Erdbebensicherheit– zehn Zentimeter Abstand.
„Wir verfügen bei PORR über viel Erfahrung bei derartig heiklen Projekten, und können mit solchen Herausforderungen gut umgehen.“, erklärt Ing. Clemens Ofenböck, Bauleiter des Generalunternehmers PORR.
Zum Resselpark zugewandt wurde der bisherige Eingang um eine rund zehn Meter hohe moderne Empfangshalle, einen Pavillon aus getöntem Glas (kann je nach Sonneneinstrahlung gedimmt werden) erweitert. Als Besucher erscheint die Karlskirche in den getönten Scheiben fast unrealistisch nahe. Noch näher wirkt sie nur noch vom „Raumschiff“, einem scheinbar über dem Museum schwebenden (die erwähnten 10 Zentimeter) Kubus bestehen aus 1000 Tonnen Stahl und6000 Kubikmeter Sichtbeton, nüchtern auch „Schwebegeschoß“ oder typisch wienerisch „Sargdeckel“ tituliert. „Aus Gründen des Denkmalschutzes war eine klassische Aufstockung nicht möglich.“, erläutert Heribert Fruhauf, Bauherren Projektleiter Wien Museum Neu: „Deshalb wurde die gesamte Konstruktion vom Altbestand des Gebäudes abgesetzt.“ Keine leichte Aufgabe: Ein 28-Achsen LKW mit 50 Metern Länge lieferte die Teile. Ein Kran hob diese Einzelteile – der schwerste Hub waren 165 Tonnen! – an die richtigen Stellen, ehe zwischen November 2021 und Jänner 2022 die Teile schlussendlich verschraubt wurden. Auf diesen neuen 1200 m² sollen in Zukunft Sonderausstellungen stattfinden, auf weiteren 3000 m² eine Dauerausstellung über die Geschichte Wiens.
Hier trifft man auch erstmals auf das Raum-in- Raum-System namens Cubo von Knauf. Karl Fritsch, Geschäftsführer von DBW-Innenausbau: „Innenräume unabhängig von der tragenden Hülle zu planen, gilt derzeit als ein Trend in der aktuellen Architektur. Denn so ist man unabhängig von der Altbausubstanz – auf flankierende Bauteile zur Fixierung kann getrost verzichtet werden. Das hat sowohl ästhetische als auch praktische Gründe.“ Denn die Tragkraft beträgt dank Diamantplatten bis zu 150 Kilogramm pro Laufmeter! Bisher ließen sich ohne flankierende Bauteile freistehende Raumzellen nur in Kombination mit aufwändigen Hilfskonstruktionen und überdimensionierten Stahlträgern realisieren. Knauf Cubo löst dieses Problem mit speziell entwickelten Teleskopstützen, die sich problemlos in zehn Schritten in Raumhöhen von 2 bis 3,20 Metern aufbauen lassen. Gleichzeitig bieten sie bis 90 Minuten Feuerwiderstandsdauer. Im Cubo oben soll es heiße und kalte Getränke, sowie Snacks geben. Im zweiten Cubo befindet sich die gesamte Medientechnik und im Erdgeschoß können Besucher ihre Garderobe abgeben.
Das Innere des neu gestalteten Wien Museums erinnert beim Eintreten an eine Kathedrale. Konzipiert als Rundgang wurden einzelne Gestaltungselemente wie Zwischenwände aufgestellt. Das frühere Atrium wurde zu einer knapp 25 Meter hohen Halle umgestaltet, die man beim Ausstellungsrundgang dank neu eingezogener Stiegen auf verschiedenen Höhen immer wieder passiert. Die Fertigstellung der Trockenbau-Arbeiten mit einem Team von zwanzig Mitarbeitern von DBW-Innenausbau war bereits Ende März. „Insgesamt haben wir 10.000 m² Knauf Platten verbaut.“, blickt Fritsch zurück: „Aquapanel Cement Board im verfliesten Küchenbereich im Erdgeschoß oder diverse Knauf Platten in den Stiegen Bereichen. Zusätzlich wurde mit der Knauf Insulation Steinwolle-Klemmplatte KP in verschieden Stärken gedämmt. Teilweise wurden auch Sonderzuschnitte geliefert.“
Bauherr | Wien Museum am Karlsplatz 8; 1040 Wien |
Projektleiter Wien Museum Neu | Heribert Fruhauf |
Architekten | Winkler + Ruck, Architekten, 9020 Klagenfurt; www.winkler-ruck.com |
GU | Arbeitsgemeinschaft Wien Museum, PORR Bau GmbH - ELIN GmbH - ORTNER GmbH |
Gesamtprojektleiter | Ing. Stefan Posch |
Knauf Fachberatung | Josef Kleinhappl, Mobil: +43 664 544 60 23 |
Fotograf | Peter Kubelka |
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit |