Im Gespräch: Maximilian Nötzel

Maximilian Nötzel

Interview aus unserem Kundenmagazin UPDATE - Ausgabe 10

Seit rund einem Jahr ist Maximilian Nötzel Commercial Direktor bei Knauf Insulation. In seiner Rolle ist er unter anderem für die Weiterentwicklung der Vertriebsstrategie des Dämmstoffanbieters zuständig. Der erfahrene Vermarktungs- und Verkaufsstratege für Baustoffe, der – wie er sagt – im Ruhrgebiet geboren und im Rheinland sozialisiert wurde, dirigiert außerdem das Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Produktsegmenten und Vertriebseinheiten. Wir haben mit ihm über seinen Start bei Knauf Insulation gesprochen, ihm Informationen zu seiner Vision fürs Unternehmen entlockt und ihn gebeten, die Chancen des gebeutelten Baustoffmarkts für das Jahr 2026 abzuschätzen.

Herr Nötzel, Sie sind jetzt etwa seit einem Jahr bei Knauf Insulation. Wie würden Sie Ihre Erfahrungen vom Start bis zum heutigen Tag beschreiben?

Es wäre wahrscheinlich überraschend, wenn ich bei dieser Gelegenheit beginnen würde, zu klagen. (*lacht*) Aber es gibt dafür wirklich nicht den geringsten Grund. Ich wurde ausgesprochen offen und freundlich empfangen und ich habe viele Menschen – oder besser gesagt echte Charakterköpfe – kennengelernt, die mit Herzblut für unser Unternehmen arbeiten. Ich habe schnell gemerkt, dass Knauf Insulation, wie die ganze Knauf Gruppe, von einer sehr präsenten Kultur geprägt ist, die sich in einer starken Identifizierung mit dem Unternehmen, Leistungsbereitschaft, Qualitätsanspruch und in einer starken Kundenorientierung zeigt. Das sind Rahmenbedingungen, die mir sehr liegen und die zeigen, dass ich hier genau richtig bin.

    

Aufgrund Ihrer vorherigen Tätigkeit in der Baustoffbranche haben Sie die Knauf Gruppe bereits gekannt. Gibt es trotzdem etwas, was Sie besonders überrascht hat, als Sie bei Knauf Insulation plötzlich Einblick „hinter die Kulissen“ hatten?

Da gibt es tatsächlich etwas: Knauf ist trotz der Größe der Unternehmensgruppe ein Familienunternehmen geblieben. Und das meine ich ausschließlich im positivstmöglichen Sinne. Die Denkweise im Unternehmen ist langfristig und nicht auf schnellen Profit ausgerichtet. Das Interesse der Kunden und Partner wird immer in Überlegungen einbezogen. Nachhaltigkeit ist keine Worthülse, sondern eine Verpflichtung. Enormer Aufwand wird in die Sicherheit der Mitarbeiter gesteckt. Vereinbarungen zählen – auch wenn sie nicht schriftlich festgehalten wurden. Gleichzeitig ist Knauf ein hochmodernes Unternehmen, das die Zukunft der Branche aktiv mitgestaltet und am Puls der Zeit arbeitet. Das beeindruckt mich auch heute noch.

"Knauf ist trotz der Größe der Unternehmensgruppe ein Familienunternehmen geblieben. Und das meine ich ausschließlich im positivstmöglichen Sinne."

Anders als Jobtitel wie „Vertriebsleiter“ oder „Marketingleiter“, wird die Funktion „Commercial Direktor“ sicher nicht allen Lesern spontan ein Begriff sein. Könnten Sie kurz erklären, was Ihre Kernaufgaben sind und mit wem Sie besonders eng zusammenarbeiten?

Das kann ich verstehen. Ich bin der erste „Commercial Direktor“ bei Knauf Insulation in der Region Zentraleuropa und so war auch für viele Kolleginnen und Kollegen nicht auf Anhieb klar, welche Rolle ich einnehmen werde. Als Commercial Direktor bin ich Bindeglied zwischen dem Vertrieb und dem Marketing des Unternehmens – also zwischen den Bereichen, die direkt bei unseren Kunden sind und unsere Produkte und Systeme vertreiben, sowie den Bereichen, die neue, kundenorientierte Produkte entwickeln und Maßnahmen kreieren, die den Absatz fördern. Außerdem bin ich eine Art Schnittstelle zu anderen wichtigen Teilen des Unternehmens – zum Beispiel unseren Werken. Meine Aufgabe ist es unter anderem, Strategien zu entwickeln, die uns erfolgreicher machen – und sicherzustellen, dass Strategien und Ziele in meinen Zuständigkeitsbereichen gleichartig und konsequent verfolgt werden.

  

Gibt es eine Eigenheit, die Sie als Ihre Arbeitsphilosophie bezeichnen würden? Was zeichnet Ihren Umgang mit Menschen und Herausforderungen aus?

Der Begriff Arbeitsphilosophie ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Ich denke, dass ich generell eher ein rationaler als ein emotionaler Mensch bin. Entsprechend ruhig begegne ich Herausforderungen. Ich schätze partnerschaftliche Zusammenarbeit, lege Wert auf Fairness und bringe meinen Mitmenschen die gebührende Wertschätzung entgegen. Mir ist auch wichtig, dass der Spaß bei unserer Arbeit nicht zu kurz kommt – ohne dabei die Ernsthaftigkeit unserer Aufgaben aus dem Blick zu verlieren.

  

Sicher haben Sie in den vergangenen Monaten ein klares Bild entwickelt, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln sollte, welche Ziele im Fokus stehen und welcher Pfad zum Ziel verfolgt werden muss. Können Sie uns Einblick in Ihre Vision geben?

Natürlich kann ich bei einem Interview nicht alle Karten auf den Tisch legen. Ich möchte aber so viel verraten: Unser Ziel ist es, unsere Kunden über den gesamten Bauprozess zu begleiten. Der beginnt bei der Planung der Bauvorhaben und endet beim Rückbau am Ende des Lebenszyklus des Gebäudes und unserer Produkte. Wir wollen mehr sein als ein reiner Fabrikant, der Dämmstoffe produziert und verkauft. Vielmehr möchten wir das Leben unserer Kunden einfacher machen – zum Beispiel mit kompetenter Beratung, kompromissloser Qualität, einer reibungslosen Logistik und Angeboten für das Recycling unserer Produkte.

"Der Baustoffhandel ist und bleibt unser wichtigster Partner im Markt."

Welche Rolle werden in Zukunft die etablierten Kundenbeziehungen spielen – insbesondere zum Fachhandel?

Der Baustoffhandel ist und bleibt unser wichtigster Partner im Markt. Mit ihm pflegen wir die engste Beziehung und mit ihm wollen wir die Zusammenarbeit weiter erfolgreich ausbauen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

   

Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten ersten Schritte zur Erreichung Ihrer Ziele? Worauf konzentrieren Sie sich aktuell besonders?

Obwohl wir bereits einen breit aufgestellten Außendienst haben, ist eines unserer zentralen Vorhaben, noch mehr Zeit in die direkten Kundenbeziehungen, die Präsenz im Markt und unsere Erreichbarkeit für die Anliegen unserer Kunden zu investieren. So paradox es klingt: Der Schlüssel dafür ist der erfolgreiche Ausbau praxisorientierter, digitaler Angebote für Fachhändler, Handwerker und Planer. Diese können beispielsweise dort zum Einsatz kommen, wo vielleicht bisher unsere Gebietsverkaufsleiter eine Information einholen, eine Frage beantworten oder eine Berechnung erstellen lassen mussten. Wenn digitale Tools unseren Kunden unkompliziert und schnell Lösungen bieten, wird bei unserem Außendienst Zeit frei für persönliche Kundenbeziehungen und gemeinsame Projekte. Beides zahlt dann auf eine höhere Servicequalität ein, die unseren Kunden zugutekommt.

   

Wie erleben Sie aktuell die Situation der Baubranche? Was macht Ihnen Sorgen? Und was gibt Anlass zur Hoffnung?

Ich denke, niemand kann mit der aktuellen Situation der Branche zufrieden sein. Ich hoffe jedoch, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben und bald wieder ein Wachstum sehen werden, das zwar zunächst nicht spektakulär, aber zumindest anhaltend sein wird. Erste positive Signale waren die im ersten Halbjahr gestiegenen Baugenehmigungen und die sehr deutlich gestiegene Anzahl an Förderanträgen.

Wir wissen alle, dass in Deutschland zu wenig gebaut und modernisiert wird. Und die Nachfrage nach Wohnraum kann nicht wegdiskutiert oder per Gesetz beseitigt werden. Hinter jeder zu wenig gebauten Wohnung steht ein Mensch oder eine ganze Familie, die keinen bezahlbaren Wohnraum findet. Daher denke ich, dass unsere Branche im nächsten Jahr neuen Schwung bekommen wird – sei es mit oder ohne substanzielle Unterstützung der Politik, die eigentlich ganz akut handeln müsste.

"Ohne Baugewerbe gibt es keinen Wohnbau, keinen bezahlbaren Wohnraum, keine effizienten Gebäude und somit auch kein Erreichen der Klimaziele."

Wo sehen Sie in der aktuellen Gemengelage – zwischen Wärmewende, volatilen Energiepreisen, unzureichendem Wirtschaftswachstum und Investitionszurückhaltung der Verbraucher – zukünftig Chancen für Baustoffindustrie, Handel und Handwerk?

Ohne Baugewerbe gibt es keinen Wohnbau, keinen bezahlbaren Wohnraum, keine effizienten Gebäude und somit auch kein Erreichen der Klimaziele. Die Baubranche ist der entscheidende Erfolgsfaktor für viele gesellschaftliche Aufgaben und Vorhaben. Gleichzeitig lässt sich das Handwerk auch nicht einfach durch technische Innovationen ersetzen. 3D-gedruckte Gebäude und Fliesen legende Roboter mögen vielleicht spannende Zukunftsvisionen sein, aber hier und jetzt benötigen wir gut ausgebildete, engagierte Menschen, die ihre Ärmel hochkrempeln und anpacken können. Daher sind die Chancen der gesamten Branche meiner Ansicht nach groß und vielfältig – auch in der Zukunft.

   

Und was können Kunden im Jahr 2026 von Knauf Insulation erwarten?

Verlässlichkeit, persönliche Kundenbetreuung, innovative, hochwertige und nachhaltige Produkte und Services – und nicht zuletzt leidenschaftlichen Einsatz für den gemeinsamen Erfolg.

   

Vielen Dank, Herr Nötzel.

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